Welcome Konzert 2025

04. Dezember, 2025 19:00 | Telekom Zentrale

Tickets sind ab dem 6. September erhältlich

Caleb Borick, 1. Preisträger der Telekom Beethoven Competition 2023, kehrt nach Bonn zurück. Nicht als Kandidat, sondern als Solist. Mit einem fein abgestimmten Soloprogramm, das sich zwischen romantischer Insichgekehrtheit, klassischer Verdichtung und visionärer Fantasie bewegt, eröffnet der junge US-Amerikaner die Telekom Beethoven Competition 2025.

Ein Abend, der mit Johannes Brahms beginnt, genauer mit dessen drei Intermezzi op. 117, jenen späten Klavierstücken, die der Komponist selbst als „Wiegenlieder [seiner] Schmerzen“ bezeichnete. In ihnen begegnet man Brahms nicht als orchestralen Monumentalisten, sondern als leise, nach innen gekehrte Figur. Jemand, der in der Musik keine Behauptung mehr sucht, sondern Trost und Erinnerung. Die drei Stücke in Es-Dur, b-Moll und cis-Moll fügen sich zu einem leisen Triptychon der Innerlichkeit, durchzogen von einer sanften, abgeklärten Empfindsamkeit, die nichts mehr sucht als Erinnerung, Trost und das stille Nachklingen.

Clara Schumanns selten gespielte Romanze in a-Moll WoO 28 fügt sich wie selbstverständlich in diesen Klangraum ein: ein kurzes, empfindsames Charakterstück, dessen Subtilität lange Zeit durch die historische Marginalisierung weiblichen Komponierens überhört wurde. Heute zeigt sich das Werk als kostbares Zeugnis einer Klangauffassung, die auf harmonische Schattierungen und eine sprechende, fast liedhafte Phrasierung vertraut. In der Romanze begegnet man nicht nur Clara Schumanns kompositorischem Ernst, sondern auch einer Ästhetik der Zurückhaltung, die bewusst andere Werte setzt als die überbordenden Klangmassen ihrer Zeitgenossen.

Mit Beethovens Sonate Nr. 24 in Fis-Dur op. 78, der sogenannten „à Thérèse“-Sonate, wendet sich Borick dem Namensgeber des Wettbewerbs zu und wählt dafür ein Werk, das in seiner kompositorischen Ökonomie fast aus dem Rahmen fällt. Nur zwei Sätze, keine explizite dramatische Wendung, kein heroischer Gestus. Stattdessen ein Stück von intimer Noblesse, das mehr Gespräch ist als Manifest, mehr Andeutung als Ausruf. Die Widmung an Thérèse von Brunsvik, eine enge Vertraute Beethovens, verleiht der Musik einen persönlichen Charakter; sie scheint nicht für das Konzertpodium gedacht, sondern für den Moment des geteilten Hörens, des Zwiegesprächs. Gerade durch ihre Reduktion eröffnet die Sonate neue Räume der Ausdrucksnuance. Räume, in denen sich Beethovens Fähigkeit zeigt, große musikalische Gedanken mit der sparsamsten Mittelwahl zu fassen.

Der Abend schließt mit Franz Schuberts Wanderer-Fantasie in C-Dur D 760: ein Werk von eruptiver Kraft, formaler Radikalität und existenzieller Tiefe. Die Fantasie ist durchkomponiert, ihre vier Sätze greifen ineinander über, als ginge es weniger um Entwicklung als um ständige Transformation. Das „Wandern“ ist hier keine Idylle, sondern Metapher für das rastlose Suchen, das romantische Sehnsuchtsmotiv schlechthin: nach Identität, nach Heimat, nach Klang. Das zentrale Thema entstammt Schuberts eigenem Lied „Der Wanderer“, aber in der Fantasie wird es zergliedert, durchbrochen, entfaltet sich in brillanter Virtuosität, ohne sich je ganz zu stabilisieren. Was bei Beethoven noch Zielgerichtetheit war, wird bei Schubert zum flüchtigen Schatten – eine Musik, die in Bewegung bleibt, weil sie nirgends verweilen kann. 

Das Welcome-Konzert bildet traditionell den Auftakt zum Wettbewerb. Neben dem musikalischen Programm werden die Teilnehmerinnen der diesjährigen Telekom Beethoven Competition vorgestellt. Darüber hinaus geben u.a. ehemalige Preisträgerinnen wertvolle Tipps und Einblicke aus erster Hand – ein Abend, der Begegnung, Austausch und Musik vereint.